Mit zwölf Jahren bekam ich mein erstes Smartphone. Seitdem versuche ich, ein gesundes Verhältnis dazu aufzubauen, und das erweist sich bis heute als schwierig. Soziale Medien, Gruppendruck unter Gleichaltrigen und stundenlanges Scrollen gehören für sehr viele Jugendliche längst zum Alltag, nicht zur Ausnahme.
Vor allem Instagram, TikTok und Snapchat bestimmten über Jahre einen großen Teil meines Alltags, und zwar sehr erfolgreich, ohne dass ich das je bewusst so gewollt hätte. Diese Plattformen sind darauf ausgelegt, möglichst viel Zeit ihrer Nutzer zu binden, und bei mir hat genau das funktioniert. Meine Bildschirmzeit lag weit über den empfohlenen zwei Stunden täglich, während Schule, Freundschaften und Sport zunehmend in den Hintergrund traten. Aus einer Gewohnheit wurde eine Abhängigkeit, aus der Abhängigkeit eine Sucht. Ihren Höhepunkt erreichte diese Entwicklung während des Corona-Lockdowns.
Das Schwierige daran: Die Abhängigkeit fühlt sich selten wie ein Problem an, sondern wie eine harmlose Gewohnheit. Nach der Schule möchte man sich nur kurz entspannen, ein paar Reels hier, ein paar YouTube-Videos dort, und schon sind drei Stunden vergangen, ohne dass man es bemerkt hat. Der Dopaminschub durch kurze Videos ähnelt einem Besuch im Casino: kurz, intensiv, und man verlangt immer nach mehr. Für Außenstehende äußerte sich das vor allem in schwindender Motivation für Schule, Freunde und Hobbys. Als ich irgendwann alle Kanäle löschte, kam ein weiterer Faktor hinzu: sozialer Druck unter Gleichaltrigen, ständige Vergleiche und das Gefühl, nicht mehr dazuzugehören.
Aus diesen Erfahrungen ist der Wunsch entstanden, etwas zu verändern. Ein Problem, das so neu ist wie das Smartphone selbst, braucht Aufklärung und eine ebenso neue Lösung, insbesondere für junge Menschen, denen es schwerfällt, überhaupt Distanz zu ihrem Handy aufzubauen. Genau hier setzt freeself an.
Bevor ich bei dieser Lösung ankam, habe ich lange versucht, mit vorhandenen Mitteln gegenzusteuern. Ich nutzte Apples eigene Bildschirmzeit-Funktion und setzte App-Limits für Instagram, TikTok und Co. Das Problem lag nicht in der Funktion selbst, sondern darin, wie gering die Hürde war, sie zu umgehen: ein Tippen auf "Limit ignorieren", und die Sperre war aufgehoben, ohne echten Widerstand und ohne dass es überhaupt auffiel. Diese Beobachtung wiederholte sich über Monate hinweg, bei mir selbst, und, wie ich später von anderen erfuhr, in vielen Familien auf ähnliche Weise: Eltern setzen Limits, Kinder umgehen sie in Sekunden, und beide Seiten merken erst spät, dass Software allein das Problem nicht löst.
Daraus ist schrittweise die Überzeugung gewachsen, dass es mehr braucht als eine weitere Sperre auf dem Bildschirm selbst. Es braucht einen bewussten Moment außerhalb des Geräts, eine Handlung, die sich nicht mit einem Fingertipp wegdrücken lässt. Diese Überlegung war der eigentliche Ausgangspunkt für freeself: ein physisches Objekt, das gemeinsam mit einer App dafür sorgt, dass man sein Smartphone aktiv entsperren oder einschränken muss, statt es sich einfach selbst zu erlauben.